
- Silence can be so loud.
- 12-15-09
- Darf ich mich vorstellen?
Ich schreibe jetzt nun schon seit Jahren in dieses Blog und irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich mich noch nie so richtig vorgestellt habe.
Gestatten, ich nenne mich Preciosa. Ich wohne im tiefsten Franken (das liegt in Bayern). Der Name meines Wohnorts ist für jeden Nicht-Franken quasi unaussprechlich. Meine Lebensrealität wirkt auf die meisten von euch wahrscheinlich etwas seltsam. Es ist wie eine schlechte Bayern-Komödie auf dem dritten Programm.
Ich bin ganz ehrlich mit euch. Ich wohne nicht unbedingt gerne auf dem Land und ich mag auch keine Landluft. Das einzige was mich hier hält ist meine Familie. Ich würde gerne sagen, dass ein Großteil meiner Freunde in der Stadt wohnt, schließlich bin ich mehr der Stadtmensch. Aber mein Freundeskreis umfasst kaum mehr Personen als ich Finger an meiner rechten Hand habe.
Ich habe ich mich nie geschickt mit anderen Menschen angestellt (oder Menschen mit mir). Meine Freunde kenne ich, weil ich sie kennen muss. Entweder habe ich mir mit ihnen einen Tisch in der Schule geteilt oder wir sehen uns jeden Tag auf der Arbeit.
Das mag sich so anhören, als ob ich mich beschweren würde. Das tue ich aber nicht. Eigentlich gefällt es mir ganz gut, so wie es ist. Leider fühle ich mich hin und wieder etwas einsam. Meine beste Freundin, mit der ich früher so gut wie immer unterwegs war, hat auch nicht mehr so viel Zeit für mich seit sie Mama geworden ist und ein Arschloch geheiratet hat. Deshalb habe ich mir vor kurzem ein Haustier zugelegt. Zwei Haustiere um genau zu sein. Chinchillas sind schön flauschig und viel weicher als mein Kuschelkissen.
Dieses Jahr war wohl eines der schwierigsten die ich bisher erlebt habe. Ich habe mich absichtlich dazu bereit erklärt aussichtslos für die Partei meiner Wahl als Bundestagskandidat zu Verfügung zu stellen. Kurz danach habe ich mich dazu bereit erklärt eine Psychotherapie zu beginnen. Ich weiß nicht ob das eine mit dem anderen zu tun hat. Außerdem habe ich einen sehr lieben Menschen verloren. Und der nächste Verlust ist schon in Reichweite. Das macht es nicht gerade einfach.
Um mich auf andere Gedanken zu bringen schaue ich viele Serien und lese gerne. Ich liebe faktuale, fiktive und fiktionale Literatur. Meine persönliche Lieblingsserienentdeckung 2009 ist eindeutig Battlestar Galactica. Supernatural und True Blood finde ich auch gut. Um mich auf kurzen Auto- oder Zugfahrten zu beschäftigen höre ich gerne Trash-Pop, das passt zu mir. Bei längeren Zugfahrten greife ich aber lieber auf Serien oder Filme zurück. Vor allem wenn ich meinen Freund besuche, der ungefährt 4 Folgen von “Sanctuary” von mir entfernt wohnt. Ich nehme den Aufwand aber gerne auf mich, denn er ist neben Partner auch gleichzeitig Ideenwerkstatt und mit Sicherheit einer der aufrichtigsten und verständnisvollsten Menschen die ich kenne.
Wenn man sich mit mir nett unterhalten möchte, hat man es schwer. Aber dafür muss Mann bzw. Frau erstmal Interesse an mir haben. Allein die Tatsache sich für mich zu interessieren ist die beste Voraussetzung dafür dass ich mich für meinen Gegenüber interessiere. Wem das jetzt zu kompliziert war, der hat gute Chancen keine Lust auf mich zu haben.
Auch sonst bin ich nicht gerade einfach. Ich bin stur und schnell eingeschnappt. Ein leckeres Abendessen für mich zu kochen ist fast unmöglich. Durch Laktose- und Candle-Light-Dinner-Intoleranz sowie Reizdarm bin ich kein beliebter Gast. Bei der Getränkeauswahl gebe ich mich mit Cola meist zufrieden. Soll es was alkoholisches sein präferiere ich trockenen Rotwein.
Während der Arbeit trinke ich meist nur Kaffe, und davon reichlich. Ansonsten bemühe ich mich meinen Monteuren klar zu machen wie sie Rohre zu verlegen haben. Die Frau des Bauherrn spielt dabei keine Rolle. Ich ärgere mich oft über unfreundliche Kunden und über Kunden mit Wünschen. Die meiste Zeit verbringe ich damit den Tag ohne Schaden zu überstehen damit ich mich Abends wieder in mein Bett kuscheln kann.
Um ehrlich zu sein weiß ich nicht ob hier überhaupt noch jemand anderes mitliest außer einer seltsamen Frau Doktor die mir immer per E-Mail schreibt dass ich zu fett bin (womit sie vielleicht sogar recht hat), oder ob sich jemand überhaupt dafür interessiert. Falls doch, wünsche ich ihm oder ihr eine Frohe Weihnachten und ein tolles 2010.
Natürlich liest noch jemand mit.
Versuche mal die Familie zu überreden in die Stadt zu kommen – vielleicht tut Dir die quirlige Stadtluft gut. Die Hauptstadt zum Beispiel kann mit lieben, unbequemen Zeitgenossen ganz gut umgehen.
Und: Natürlich liest hier jemand mit…
@r|ob
Ein Besuch in der Hauptstadt ist erst wieder für 2010 geplant. Fühle mich dort eigentlich auch ganz wohl. Nur die U-Bahn macht mir jedes mal Angst. Diese gekachelten Wände sind alles andere als einladend. Nicht?
Preciosa » Meine Freunde: Andrea Dezember 22nd, 2009 13.24
[...] Prozess den ich mit diesem Artikel bereits begonnen habe, möchte ich nun fortführen. Ich möchte euch ein bisschen mehr [...]
Es ist mindestens unverzeihlich, dass ich es versäumt habe, diesen Text rechtzeitig zu kommentieren. Ich entschuldige mich daher auch gar nicht erst, Du weißt, wie leid mir das tut.
Was ich also hätte schreiben sollen, aber erst jetzt schreibe:
Ich mag den Text. Ich mochte ihn schon in der Rohfassung, ich mag diesen Stil. Und das fertige Werk ist genau so geworden, wie ich es nicht anders von Dir erwartet habe.
Natürlich versetzt mir der Text auch einen Stich, denn er ist leise unglücklich bzw. resigniert, diese Vorstellung von Dir ist eine mit gesenktem Kopf, was zwar Deiner Stimmung entsprechen mag, Dich aber nicht im Geringsten repräsentiert. Ich kenne und erlebe Dich als einen stillen, aber sehr positiven und besonders unkomplizierten Menschen. Wenn ich sehe, wie Du mit jedem hier bei mir, ungefähr vier Folgen “Sanctuary” von zuhause entfernt, sofort eine Brücke bauen kannst, wie Du Dich diesen Menschen annäherst und sie sofort eine Verbindung zu Dir finden, dann kannst Du von kompliziert nicht weiter entfernt sein. Es mag sein, dass Du Dich so fühlst, doch in meinen Augen bist Du ein bunter Legostein. Ich beobachte immer wieder mit Bewunderung und Neid, wie Du anknüpfst, Dich einknüpfst und einfügst. Ob es meine Mitbewohner sind oder, da bist Du unschlagbar, Verkäuferinnen in irgendwelchen Shops wie zum Beispiel Lush. Kompliziert bist Du nicht. Du machst es höchstens manchmal den Menschen beinahe zu leicht, Dich zu mögen, Welpe!
Ich mag den Text dennoch, er ist eben persönlich und, ja, schmerzhaft aufrichtig. Auch wenn ich meine Einwände habe, wenn ich Dir bei Vielem nicht zustimme, es ist ein toller Text!
Was mich betrifft, ich lese mit. Nun… Ich vergesse zu kommentieren, doch Du weißt ja, dass mir generell mehr entfällt als einfällt. Aber ich lese mit. Und ich bleibe bei meiner alten Platte: Ich lese hier zu selten Neues! Schreib’ endlich wieder mehr!
Ein Herz für Dich.
Ich weiß, ich schreibe nicht mehr viel in letzter Zeit. Dafür gebe ich mir mit jedem Post mehr mühe als früher :)
Danke für deinen Kommentar. Tut (wie immer) gut lob von dir zu lesen. Und Nein, ich finde nicht dass es “mindestens unverzeihlich” ist, dass du erst jetzt eine Nachricht hinterlassen hast. Hatten wir doch schon telefoniert. Außerdem versäumst du es nie mir mut zu geben und für mich da zu sein.
Herz.
Ein sehr schöner und aufrichtiger Text, der einen dazu bringt auch über sein eigenes Leben nachzudenken.
Ich kannte bisher dein Blog gar nicht, aber nun werde ich wohl ab und an hier vorbeischauen. Und du solltest öfters twittern! ;)
Genau genommen möchte ich mehr bloggen, mehr twittern und viel mehr podcasten. Leider ist das zeitlich nur schwer unterzubringen. Aber ich gebe mir mühe, versprochen :-)